Corinna Smok

„Tribute to Little John“ ist meine szenisch-serielle Nachbetrachtung zur Beuys‘schen Aktion „I like America and America likes me“. Eine Performance aus dem Jahr 1974, bei der wesentliche Themen des Werkes Joseph Beuys‘ zum Tragen kommen.

Beuys lässt sich verhüllt in Filz in eine New Yorker Galerie transportieren, um dort mit einem wilden Kojoten namens „Little John“ drei Tage lang den Raum zu teilen. Ein „Play-Beuys“, der mit einem wilden Präriewolf spielt. Das Tier reißt am Filzumhang und am Hirtenstock, den Beuys als Spielzeug nutzt. (Was auf den ersten Blick bizarr wirkt, zeigt bei intensiverer Auseinandersetzung mit der Thematik, dass Beuys hier nicht nur Spielgefährte ist. Er möchte bei dieser New Yorker Aktion als Hirte und Heilsbringer wirken, um das Trauma der amerikanischen Ureinwohner zu heilen. Der Kojote gilt als das heilige Tier der Indianer.)

Mich hat die Szene in ihrer Gesamtheit berührt – Beuys ist hier in all seinen Facetten spürbar. Vom heiteren und spielerischen Umgang mit dem Tier und der Gesamtsituation bis zur Verletzlichkeit, der Wunden, die dahinter zu spüren sind. Mal steht der Kojote, mal der „Filzcocon“ Beuys im Vordergrund. Die Rollen tauschen.

Durch diese Ausstellung und die intensive Beschäftigung mit seinem Werk hat sich mein Blick auf die faszinierende Persönlichkeit Beuys erweitert. Ein mutiger Mensch, der Herkömmliches in Frage stellte, irritierte, Grenzen aufzeigte und mit Selbstverständnis überwand. Zu meiner Freude sind uns unsere niederrheinischen Wurzeln gemein: Beuys stammt aus Krefeld, ich aus Rheinhausen – Nachbarstädte, keine 15 km voneinander entfernt. In seinen Interviews, spiegelt sich der vertraute Klang meiner Kindheit wider.


Corinna Smok

 

„TRIBUTE TO LITTLE JOHN“, Serie
Kohle, Kreide, Klebeband auf Düsseldorfer Telefonbuchseiten, ca. 50 x 40 cm

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